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Über die Evangelische Messe

Herzlich willkommen zum Gottesdienst in der Brüdernkirche der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Ulrici in Braunschweig!

"Hier soll nichts anderes geschehen, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang.“ (Martin Luther 1544)

Grundlagen

Vor über 1700 Jahren, am 3. März 321, hatte der römische Kaiser Konstantin den Sonntag zum reichsweiten Feiertag erhoben. Dieser allgemeine gesetzliche Feiertag ist bis heute, auch in modernen Gesellschaften eine Wohltat für alle – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit und Glaubenspraxis.

Für uns ist die Feier des Gottesdienstes, wie Martin Luther sie beschreibt (s.o.), eine wichtige Erfahrung. Sie ist eine Zeit der seelischen Erhebung und der Feiertagsheiligung.
Nach biblischem Verständnis ist der Sonntag der 1. Schöpfungstag der Woche (1. Mose 1) und zugleich der Tag der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Daran knüpfen wir im Gottesdienst an. Wir vergewissern uns, dass wir der geschöpflichen Erholung und des Seelenheils bedürftig sind und sie in Gottes Gebot und Verheißung auch finden. Durch sein Wort lädt der Herr der Kirche alle Menschen zur Einkehr ein. Wir folgen seinem Ruf und erwarten Gottesbegegnung, Lebenserneuerung und Gemeinschaft, wenn wir in der Kirche zum Gottesdienst zusammenkommen (EKD-Synode in Dresden, 2007).

Die Evangelische Messe

Unsere Gemeinde pflegt in ihren Gottesdiensten die festliche Tradition der Evangelischen Messe, wie sie in den Zeiten der Reformation Martin Luthers reformiert und gefeiert wurde.

„Die Messe ist von den Evangelischen nicht abgeschafft worden. Die gottesdienstlichen Formen sind nicht merklich geändert worden. Man hat nur den Irrtum abgeschafft, die Messe sei ein Opfer für Lebendige und Tote, mit dem man Sünde wegnehmen und Gott versöhnen könne.“ (aus: Confessio Augustana, Artikel 24)

Das Augsburgische Bekenntnis ist ein wichtiger Grundlagentext der Evangelischen Kirche und erklärt, wie insbesondere die lutherischen Christen ihre Art Gottesdienst zu feiern verstehen. Wir befinden uns nach wie vor in dieser Tradition der ersten lutherischen Christen und folgen ihnen darin. Im Glauben an Jesus Christus stützen wir uns auf die Gnade Gottes, durch die uns unsere Sünden vergeben, Wegweisung gegeben und ewiges Leben geschenkt wird.

Die Form der Messe besteht aus regelmäßig wiederkehrenden (Ordinarium) und sonntäglich wechselnden Elementen (Proprium). Im Ordinarium rufen wir Gott um sein Erbarmen an (Kyrie), ehren ihn (Gloria), sprechen ihm im Glaubensbekenntnis unser Vertrauen aus (Credo) und begehen mit Sanctus, Benedictus und Agnus Dei das heilige Abendmahl. In den Proprien hat jeder Sonntag ein Thema, das in eigens für diesen Sonntag ausgewählten Lesungen, Gebeten und in der Predigt zum Ausdruck kommt. Dies ist bis in das 19. Jahrhundert die feste Form des lutherischen Gottesdienstes gewesen. Besonders prägend für die evangelische Messe ist die Feier des heiligen Abendmahls. Sie bildet neben der Verkündigung den Hauptteil dieser Gottesdienstform und wird i.d.R. an allen Sonn- und Feiertagen gefeiert.

Für Martin Luther war die Beteiligung der Gemeinde am liturgischen Geschehen besonders wichtig, deshalb finden Sie im Ablauf der evangelischen Messe sowohl viele Wechselgebete und -gesänge als auch Choräle, in die Sie genauso mit einstimmen können wie in das gesungene oder gesprochene Vaterunser und Glaubensbekenntnis.

Zum Ablauf

In ihrer groben Gliederung folgt die Messe einer allgemeinen Grundstruktur und nimmt damit am breiten Strom gesamtchristlicher Überlieferung teil.

Der erste Teil Eröffnung und Anrufung beinhaltet das wechselseitige Sündenbekenntnis zwischen Liturg und Gemeinde. Mit einem im Wechsel gesungenen Psalm (Introitus) stimmen wir in die Glaubensgeschichte Israels ein und wenden uns dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu, dem Vater Jesu Christi.

Es folgen der Ruf um Erbarmen und Hilfe im Kyrie und anschließend das Gotteslob im Gloria, wie es in der Weihnachtsgeschichte bei den Hirten auf dem Feld anklingt:  „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“ Es folgt das sogenannte Kollektengebet (lat. colligere = sammeln), in dem die Bitten der Gemeinde vor Gott gesammelt werden.

Im zweiten Teil Verkündigung und Bekenntnis folgt das Lesen von Texten aus der Heiligen Schrift. Darin kommt eine hohe geistliche Wertschätzung der Bibel zum Ausdruck, durch die sich Gott uns offenbart. Diese Erwartung und Gewohnheit hat das frühe Christentum von den Synagogengottesdiensten des Judentums übernommen, aus dem es hervorgegangen ist. In der Reformation bekamen die Lesungen und die Predigt neues Gewicht und bilden seither einen zentralen Bestandteil der evangelischen Messe. Die Gemeinde antwortet darauf mit öffentlichen Bekenntnis ihres Glaubens; sie singt oder spricht das feierliche nizänische oder das allgemeinbekannte apostolische Glaubensbekenntnis. Mit diesen ökumenischen Bekenntnissen stellt sich die Gemeinde in die Gemeinschaft der weltweiten Christenheit.

Im Anschluss an die Predigt folgt der dritte Teil, das heilige Abendmahl. Die Umfangreiche Liturgie vor der Austeilung bereitet sowohl den Liturgen als auch die Gemeinde auf den Empfang des Sakraments vor. In lutherischem Verständnis ist die Realpräsenz Jesu, also seine persönliche Anwesenheit in der Feier des Abendmahls, unbestreitbar. Er schenkt sich uns selbst in Brot und Wein. Die Messe mündet in Dank und die versammelte Gemeinde wird mit Gottes Segen wieder in die Welt entlassen.

Die Mitwirkenden

Der Liturgische Dienst wird von leitenden Liturgen (Pastor oder Pastorin), Diakonen bzw. Diakoninnen, einem Kantor oder einer Kantorin, und den im Küsterdienst tätigen Frauen und Männern, sowie einer Schola ausgeübt. Während der Messe als Zeichen des Dienstes an Christus und der Gemeinde tragen der liturgische Dienst eine besondere liturgische Kleidung, die in Gestaltung und Farbe jeweils den kirchenjahreszeitlichen Epochen und ihren zugeordneten Farben angepasst ist.

Einer alten christlichen Sitte folgend ist der Weihrauch fester Bestandteil der evangelischen Messe, wie es auch in Martin Luthers Sanctus „Jesajah, dem Propheten, das geschah“ geschrieben steht. Er wird vor allem vor der Feier des Abendmahls, sowie bei der Lesung des Evangeliums eingesetzt.

Schlussbemerkungen

Christinnen und Christen leben ihren Glauben idealerweise in diesen beiden Bewegungen: Sich zum Gottesdienst versammeln und von dort mit dem Segen wie Saatgut wieder in die Welt ausgestreut werden. Der „Kirchgang“ ist in unserer Zeit zwar keine Selbstverständlichkeit mehr, aber umso wertvoller ist es, dass Menschen weiterhin regelmäßig oder gelegentlich diese Erfahrung für sich suchen. Diese Erläuterungen sollen vor allem Ungeübten helfen, sich in unseren Gottesdiensten zurechtzufinden. Wir freuen uns, dass Sie gekommen sind! Falls Sie regelmäßig mit uns feiern, werden Sie mit der Festlichkeit unserer Gottesdienste immer vertrauter. Die gleichbleibenden Elemente (Ordinarium) bieten mit der Zeit Halt und Heimat, die wechselnden Elemente (Proprium) machen sensibel für Unbekanntes und Neues. Sind Sie neugierig geworden? Dann besuchen Sie gerne unsere Evangelische Messe in der Brüdernkirche und singen, beten und feiern Sie mit.


Werner Busch (geschäftsführender Pfarrer)
und
Jannik Hüffner (Kirchenvorsteher)